nachgedacht -

"Sportliche Autofahrer"

Was genau das eigentlich sein soll, frage ich mich immer wieder.

Ich bin zum Beispiel Sportler, genau genommen sogar Leistungssportler. Und auch Autofahrer. Ein "sportlicher Autofahrer" bin ich aber nicht. Sagen mir jedenfalls meine Kollegen.

Früher war das beliebteste Argument dafür offenbar, dass ich im Gegensatz zu ihnen eine Automatik (in 19 von 24 Autofahrerjahren) bevorzuge. Der wahre Sportler schaltet ja. Gut, ich schalte auch, meinen Turnier-LKW zum Beispiel - und bei dem die Gänge, speziell die beiden Rückwärtsgänge, reinzubekommen bedarf eigentlich schon regelmäßigen Hanteltrainings.

Der zählt aber irgendwie nicht - vielleicht, weil man mit dem ja nur zum Sport (und zurück) fährt. Das versuche ich noch zu verstehen.

Nun ist natürlich nicht jeder Sport gleich. Bei Aufklebern wie "Angelsport" - oder "Schachsport"; Leute, sowas gibt's wirklich! - an diversen Autorückseiten denke ich mir schon öfters mal, irgendwas nicht richtig begriffen zu haben. Sind vielleicht das die "sportlichen Autofahrer"? Ok, immerhin sind das praktisch immer Kleinwagen, also mit Handschaltung...

Auf jeden Fall greift bisweilen das Negativkriterium. Wenn man keinen Sport treiben kann, kann man - manchmal - auch nicht schalten. Kenn' ich: ich hab mir mal (beim Sport natürlich) in Wilhelmshaven die Schulter ausgekugelt und das Gelenk schwer verletzt. Dummerweise musste ich aber unbedingt nach Bayern zurück. Das ging zum Glück relativ gut - weil ich eine Automatik im PKW hatte.

Ist also ein "sportlicher Autofahrer" einer, der schaltet, weil er's (noch) kann? Das wäre in diesem Fall ja nur gegangen, wenn er vorher keinen Sport betrieben hätte. Schließen sich demzufolge "Sportler" und "sportlicher Autofahrer" am Ende etwa gegenseitig aus?

Das könnte die richtige Spur sein. Ich hab' nämlich mal darüber nachgedacht, wodurch sich Sport eigentlich definiert. Da fallen einem bestimmte Schlagworte ein. Bewegung statt Rumsitzen, Fairness statt Ellenbogendenken...

Klar. Das unterscheidet so einen Autofahrer schon von, sagen wir mal, einer Läufergruppe. Die viele Bewegung und die Fairnessidee, meine ich. Obwohl - war das nicht irgendwie anders herum?

Andererseits schaltet die Läufergruppe, Sportler halt, tatsächlich nicht. Jedenfalls nicht, während sie läuft. Und manchmal auch nicht schnell genug, wenn ihnen auf dem Feldweg ein ganz Sportlicher entgegenkommt, der seinerseits gerade ein wenig zu intensiv mit Schalten beschäftigt ist...

Da nun mittlerweile auch meine Kollegen älter geworden sind, haben die angefangen, ebenfalls Vorteile in einer Automatik zu sehen. Jetzt könne man das ja auch; die würde ja nun nicht mehr so viel Leistung wie früher kosten.

Das kann ich bestätigen; meine ersten Automatikwagen waren mit jeweils knapp 200PS schon irgendwie schwach drauf. Wenn ich mit denen an einem angestrengt im verspoilerten Astra schaltenden Zeitgenossen vorbei gefahren bin, hab' ich auch immer "sportlich, Mann" gedacht. Und mich geschämt, denn in meiner Fuhre war ja derweil unbewegliche Gemütlichkeit angesagt.

Nein, wird mir da beschieden; das habe ich falsch verstanden. Mit "sportlich" sei ja der Fahrstil gemeint; und der könne nun eben langsam auch mit Automatikfahrzeugen so sein.

Liegt da des Pudels Kern? Geht es also darum, Sport mit dem Auto zu betreiben, wenn sich einer mit dem Prädikat "sportlicher Autofahrer" schmücken will? Na prima, ich war doch bei Rallyes, Trials und sogar so einigen internationalen Meisterschaften hinter dem Lenkrad dabei. Da bin ich ja doch ein "sportlicher Autofahrer".

Denkste. Weil ich nämlich auf der Autobahn meist so um die 130 km/h fahre. Das beklagt sogar meine Freundin (gut, früher hab' ich mich eher so um 220 herum wohl gefühlt; das fand die aber auch nicht sportlich, sondern bloß doof). Jedenfalls sei das, was ich da abliefere, wohl kaum der Inbegriff "sportlichen Autofahrens". Ist ja auch viel zu wenig Bewegung (Vogelzeigen, Lichthupeziehen etc.) dabei.

Aber das ist wohl auch nicht gemeint. "Sportlich" hat offenbar irgendwas mit "aufgeregt" zu tun. Wilde Geschwindigkeitswechsel, Rauf- und Runterschalten, Kolonnenspringen und so weiter prägt offenbar den sportlichen Typus. Der tut was (und hat doch wieder keine Automatik drin). Dummerweise kollidiert der aber auch oft mit was: im selteneren Fall mit festen Gegenständen, häufiger mit den Verkehrsregeln.

Naja: letztere stehen richtig sportlichem Agieren ja eher im Wege. So sprechen jedenfalls viele Autofahrer, darunter auch einige Kollegen. Hab' ich da schon wieder was falsch verstanden? Bei allen anderen Sportarten gibt's doch auch welche (Regeln, meine ich); die definieren die Angelegenheit doch sogar irgendwie...

Aber sie behindern die Effizienz. Die des "sportlichen Autofahrers". Meint der jedenfalls.

Was einen wiederum zur Frage bewegt, was genau Effizienz denn eigentlich sei. Schnell von A nach B zu kommen? Das geht sich auch bei sehr aufwändiger Fahrweise oft nur um Sekunden aus. Oder, feiner granuliert, recht zügig eine Kurvenstrecke zu passieren?

Aber das geht mit Köpfchen bei sehr viel weniger Herumwerkeln im Auto doch genauso schnell. Stichwort Ideallinie. Dazu braucht man nicht mal schalten, da reicht eine Automatik...

Ist womöglich dies das Stichwort, welches das Rätsel erschließen hilft? "Köpfchen", meine ich? Dann wär's ja Denksport. So wie Schachsport, hihi.

Aber wozu dann schalten? Oder Geschwindigkeit? Ich meine, denken kann ich doch auch, während die Automatik vor sich hin brummt. Da kann ich zum Beispiel derweil im Kopf Schachprobleme lösen. Und mir einen entsprechenden Aufkleber hinten drauf pappen.

Irgendwie ist das alles schon verwirrend. Und der Begriff des "sportlichen Autofahrers" wird mir wohl vorerst ein Rätsel bleiben: wohl reklamieren viele Leute den Begriff für sich, aber weder Sportler, Motorsportler gar, noch Autofahrer oder des Denksports mächtig zu sein erfüllt offenbar ihre Definition. Genau genommen scheint es gar keine zu geben.

Aber ich bleibe an der Sache dran...

Shoulders

                       

"Sportliche Autofahrer"

Ein Forenbeitrag von Februar 2007