“Asoziale Autos”

So bezeichnete unlängst eine Bekannte in einem verbalen Rundumschlag alle SUV. Begründung: sie hätte Angst, wenn ihr ein solches, beispielsweise auf einem Parkplatz, entgegen käme.

Dass sie damit eigentlich - denn ein Stück Blech kann ja kaum an gesellschaftlichen Normen gemessen werden - eine reichlich unreflektierte und auch nicht ganz höfliche Pauschalaussage über deren Fahrer macht, war ihr ebenso egal wie die Unsinnigkeit des Gedankengebildes, dem zufolge der gerade Babynahrung oder Bio-Obst transportierende LKW nebst Fahrer und Inhalt ja noch viel “asozialer” sein müsste.

Und dass jemand, den alleine schon die Existenz bestimmter anderer Verkehrsteilnehmer bis hin zum Angstbeißreflex verunsichert, möglicherweise bloß etwas mehr Routine im Straßenverkehr bedürfe, könne schon mal gar nicht sein: immerhin sei es gemeinhin bekannt und bewiesen, dass Frauen eh die besseren Autofahrer seien, wohingegen Männer (im SUV) vorzugsweise schwanzgesteuert über Hunde, Katzen und Kleinkinder brettern.

Auch die Stellungnahme zum gar nicht so kleinen Anteil SUV-fahrender Frauen war pikant. Solches geschähe, wenn die Statistik nicht sowieso von der Autoindustrie gefälscht sei, ja erstens eher widerwillig und zweitens in erster Linie wegen der höheren Sicherheit der Insassen (speziell der mitfahrenden Kinder). Kurz zuvor in derselben Diskussion stand eben diese Sicherheit allerdings noch für soziale Ignoranz - wenn sie nämlich einem anderen Insassen zugute kommt und der eigene Nachwuchs vor den Kühler rennt.

Nun ist ja die Idee, an jedem eigenen Defizit müsse irgendwie jemand anders schuld sein, nicht ganz neu. Auch eine gewisse Unbeschwertheit dabei, die beliebtesten Parolen der Gruppe herumzuposaunen, welche gerade die “political correctness” gepachtet zu haben glaubt, nicht. Selbst der Wunsch nach den bestmöglichen Bedingungen für die eigenen Angehörigen, während sie für alle anderen am liebsten verboten werden sollten, ist irgendwo nachvollziehbar; Evolution funktioniert nun mal so.

Aber so begreiflich die Motive auch sein mögen: dass man zur Zeit immer mehr ähnlich dumme Statements zu hören bekommt - und die Umstehenden dabei bekräftigend nicken - ist schon etwas beunruhigend. Weil es nämlich wieder einmal beweist, dass Neid wesentlich stärker als Vernunft wirkt.

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