Rechtschreibreform

Einige hatten ja damals eine brillante Idee: wenn offensichtlich immer mehr Mitbürger zu doof sind, korrektes Deutsch zu schreiben, müsse man eben die Definition dessen, was richtig ist, anpassen - sprich, die “Rechtschreibung” sei zu “reformieren”.

Das hat Sprachexperten und Pädagogen erspart, bei der Ursachenforschung in unangenehmere Richtungen - als da zum Beispiel wären: Medienlandschaft (von wo scharfer Gegenwind droht), Migrationspolitik (politisch ganz unkorrekt) oder Bildungswesen (da wäre sich ja an die eigene Nase zu fassen…) - zu schauen.

Hat aber nicht funktioniert, was - mal vom generellen Unsinn solcher Ansätze abgesehen; man ändert ja auch nicht die Verkehrsregeln, wenn die Leute die Sache mit den Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht überreißen - nicht völlig überraschend kommt. Wenn die Kinderchen lieber vor Playstation und Fernseher als in der Bücherei hocken, liegt das nicht wirklich an der Komplexität des geschriebenen Wortes, sondern am Vorbild der Eltern.

Und wenn ein neuartiger, von einem Haufen Versager verzapfter Regelbrei auf eine gewachsene Sprachkultur prallt, bleiben Konflikte nicht aus - mit dem Ergebnis, dass nun irgendwie jeder so schreiben darf, wie er will. Was er auch tut.

Inzwischen ist nämlich die erste Generation derer, denen die Schnapsidee mit der Rechtschreibreform noch in den eigenen Bildungsweg hineingestreut hat, im Berufsleben angekommen und werkelt in Redaktionen, Lektoraten und Setzereien vor sich hin, was eine ganz neue Menge und Qualität von Stilblüten hervorgebracht hat. Den Rechtschreibprüfungen traut auch keiner mehr so richtig - und die zur Norm gewordene Sprachqualität in Internetforen sieht sowieso wie der Versuch aus, den Slang einer besoffenen Jugendgang phonetisch zu verewigen, woran selbst Abiturienten fröhlich mit zimmern.

Kurzum: unsere Sprachkultur hat auf breiter Basis irreparablen Schaden genommen. Für ein “Volk der Dichter und Denker”, dessen nationale Identität einst angesichts hunderter Fürstentümer ausgerechnet über einer gemeinsamen Sprache errichtet worden ist, ist das besonders tragisch. Andere sind da vorsichtiger (oder gescheiter): die Japaner wären beispielsweise nie auf die Idee gekommen, die Kanji-Schriftzeichen neu zu definieren, nur weil man sich zu deren Erlernen ordentlich auf den Hosenboden setzen muss.

Vielleicht werden wir ja in Zukunft von uns besuchenden Weltreisenden in einer Art Pidgin-Deutsch angesprochen. Das wäre sogar verständlich, falls sich die am existierenden Schriftgut orientiert haben. Solange wir aber teuer mehr als doof hassen, is des alles ned so wild, also mach Dich locker, lol, CU

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