Doping im Springsport

Seit der Olympiade ist das Geschrei mal wieder groß: die Springreiter dopen ihren eigenen Sport ins öffentliche Abseits. Und alles, worauf die Funktionäre der FEI in den letzten Jahren gekommen sind, ist die sogenannte “Null-Lösung”; verbotene Substanzen dürfen gar nicht gefunden werden. Prima, da ist ja an höchster Stelle gehandelt worden, wir sind die Strengsten überhaupt und sowieso viel besser als, sagen wir mal, die Radrennfahrer.

Weil aber mittlerweile die Detektoren fast schon einzelne Moleküle entdecken und Alarm schlagen, wenn bloß mal wer mit Hautcreme an den Fingern ein Pferd gestreichelt hat, gibt´s derzeit recht viele “Entlarvungen” - und hinterher regelmäßig endloses Juristengezänk um das Strafmaß für ertappte Reiter.

Dabei wäre es so einfach: einfach einen echten Grenzwert festsetzen, der garantiert nicht durch Bagatellereignisse erreicht werden kann, dafür aber bei dessen Überschreiten knallhart ein komplettes Berufs- und Startverbot verhängen. Ihr würdet Euch wundern, wie schnell kein Reiter mehr dubiose Hautsalben im Stall duldet, wenn er genau weiß, dass ihm danach auch keine teuren Juristen (manche Amerikanerinnen können da recht tief ins Portemonnaie langen) helfen.

Und wenn dadurch wirklich mal der eine oder andere Reitpromi rausfliegt, ist das auch kein “unwiderbringlicher Verlust für den Reitsport”, sondern ein längst überfälliges Signal an die anderen. Gerade “ganz oben” - da ist doch längst kein einziger “armer Amateur” mehr zugange, sondern nur bestens betuchte Privilegienreiter, so dass sich das Mitleid getrost in Grenzen halten darf. Dem Sport kann es nur gut tun - jedenfalls jetzt noch. Aber es ist fünf vor zwölf!

Sonst geht´s uns doch noch wie den Radprofis: wenn da alle Wochen wieder ein Spitzenathlet ertappt wird, interessiert´s heute wirklich keine alte Sau mehr. Was zur Folge hat, dass sich mittlerweile jeder Radler dumme Sprüche von Außenstehenden anhören muss. Wenn mir das als Springreiter ebenfalls blüht, werde ich wirklich sauer - dafür habe ich nicht über 10 Jahre meine Knochen hingehalten und diverse Vierbeiner, sämtlich nur mit Heu und Hafer versorgt, durch allerlei Parcours pilotiert!

BTW: selbst ich bin schon zweimal in Dopingkontrollen gebeten worden - da sollte das bei den Profis, wo es doch um ein Tausendfaches mehr an Sieggeldern und Ranglistenpunkten geht, locker einmal pro Nase und Turnier möglich sein. Aber das läuft wohl so wie mit Politikern im Strassenverkehr: für Normalbürger gibt`s Alkoholkontrollen und für Großkopferte im Vollrausch Regierungsmandate in Kärnten…

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